16.12.2015, Ulrike Sager, Kategorie: Im Gespräch mit ...

Im Gespräch mit Hilmar Linse

Hilmar Linse, Jahrgang 1965, berät seit mehr als 15 Jahren Unternehmen in der Organisationsentwicklung. Er ist Executive Coach und Experte für Change Management.

Berufserfahrung als Unternehmensberater, Coach, Trainer, Dozent, Dienstleister und Geschäftsführer. Kaufmännische Ausbildung, betriebswirtschaftliches Studium und Weiterbildungen zum Projektmanager, Business-Coach und Trainer.

 

Gibt es das richtige Wachstum für ein Unternehmen?

Schnell wachsende Unternehmen gewinnen oft auch größere Kunden, sie steigen damit in eine andere Liga auf. Dort kommen völlig neue Anforderungen auf das Unternehmen zu: Neben geforderter Quantität, Qualität, Schnelligkeit und Flexibilität ergreifen Audits, Zertifizierungen sowie soziale, kulturelle, rechtliche und gesellschaftliche Komponenten das Unternehmen und seine Mitarbeiter mit voller Wucht in häufig ungeahntem Ausmaß.
Die Geschäftsführung und Mitarbeiter stehen in einer solchen Situation einer enormen Komplexität gegenüber. Die gewachsenen Strukturen erweisen sich als nicht mehr tragfähig oder sogar hinderlich. Unternehmensführung und Mitarbeiter kommen der Entwicklung kaum noch hinterher.

 

Das klingt wirklich sehr herausfordernd, sollten wir Wachstum lieber vermeiden?

Es geht im Kern um die Herstellung der Entwicklungsfähigkeit. Dies ist erst einmal für jedes Unternehmen wichtig, egal ob mit oder ohne Wachstum. Ein Unternehmen agiert in seiner Umwelt. Und die Rahmenbedingungen für das Unternehmen ändern sich beständig: Der Wettbewerb, technologischer Fortschritt, konjunkturelle, rechtliche, gesellschaftliche, ökologische oder politische Einflüsse, etc. wirken auf das Unternehmen ein. Wachstum steigert lediglich die Intensität der äußeren Veränderung. Für das Unternehmen ist es grundsätzlich existenziell, sich den Umweltbedingungen anzupassen. Ich möchte damit die Notwendigkeit betonen, beweglich zu bleiben: Wer sich nicht bewegt, fällt zurück! Der freie Markt birgt Chance und Risiko. Ein Unternehmer erkennt in der Regel die Chance sich entsprechend zu positionieren.

 

„Wer sich nicht bewegt, fällt zurück.“

 

Was genau kann ein Unternehmer in dieser Situation tun?

Die Situation ist steuerbar, jedoch nicht mehr mit den herkömmlichen gewohnten Steuerungsmethoden. Ein radikaler Perspektivenwechsel ist notwendig. Es gibt ausreichend belastbare Erkenntnisse zur Navigation in komplex-instabilen Systemen: Eine sich selbst steuernde netzwerkartige Struktur, die den Prozessen folgt, sie erfordert ein komplett neues Führungsverständnis mit hohen Anforderungen an soziale Kompetenzen. Wenn große Veränderungsprozesse scheitern, dann häufig, weil diese Punkte nicht konsequent umgesetzt wurden – im obersten Führungskreis.

 

Die 5 wesentlichen Führungsaufgaben im wachsenden Unternehmen

  1. Die Umwelt wahrnehmen und so akzeptieren wie sie ist: Beschleunigung und Komplexität bei Verknappung der Ressourcen
  2. Systemische Neuausrichtung der Organisation an dem Geschäftsprozess
  3. Eine Vision und realistische Ziele, die klar kommuniziert werden
  4. Die Unternehmenskultur vorleben: konsequent und glaubwürdig
  5. Macht abgeben, loslassen und Vertrauen schenken

Sie begleiten den Change in Unternehmen. Haben Sie einen Tipp aus der Praxis?

Sie sollten nicht ohne Plan starten, sich dann aber auf den Prozess einlassen, ganz im Sinne von Mahatma Gandhi: „Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du sehen willst.

 

 

„Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du sehen willst.“

(Mahatma Gandhi)

Mit welchem Aufwand ist der Wandel verbunden?

[Lacht:] Es ist ein Lebenswerk! Und sollte deshalb sofort begonnen werden.

 

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