11.12.2017, Gastautor, Kategorie: Herzklopfen

„Nimm Dir die Freiheit nach dem Sinn zu fragen,
denn Neugier ist ein Muskel, den du täglich trainieren solltest.“

Es ist Dezember ...

und meiner Ansicht nach, macht Hamburg zur Adventszeit gern einen auf Unterhaltungsdame. Schminkt und schmückt sich viel zu aufdringlich. Aufgesetzte gute Laune trotzt tapfer der steifen Brise an unserer Hafenkante. Alles trieft vor Kitsch. Alles stinkt nach Wurst, Fett und Glühwein. In den Fenstern leuchten zumeist hässliche, viel zu hell blinkende Lichterketten. Und weil meiner Perle das nicht reicht, kreischt von überall her, aus jeder Lautsprecherbox, die gleiche träge Melodie

„Last Christmas, I gave you my heart.
But the very next day you gave it away…“

George, ich hab dich wirklich gemocht, aber im Ernst? Schon wieder? Und zwar nicht alle Jahre wieder sondern wirklich JEDES Jahr!?

Ich bekomme in jeder Einkaufspassage kleine Lockgeschenke, hübsch aber unpersönlich verpackt, um mich daran zu erinnern, dass ich noch kein Geschenk für irgendwen habe. Unbehagen sitzt mir unter der Haut wie eine dünne Schicht zersplitterter Weihnachtskugeln. Denn mit dem geheuchelten Wohlwollen der Werbegeschenke, drängt sich mir ganz stark der Verdacht auf, dass hier Beeinflussung im großen Stil betrieben wird. Wird mir hier womöglich versucht, unter einem Deckmantel namens „Nächstenliebe“, Geld aus der Tasche zu ziehen? Je teurer, desto besser? Kann ich meinen Mitmenschen nur Anerkennung zeigen, wenn ich teure hochwertige Geschenke kaufe? Muss ich vielleicht sogar ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn ich günstige Geschenke mache?

 

Ein echt mieses Geschäft!

Aber nicht mit mir! Diese manipulative Verkaufsstrategie lässt mich sauer aufstoßen. Von mir gibt es dieses Jahr nix. Für Niemanden! Aber geht das überhaupt?

Weihnachten ohne Geschenke?

Oder geht es auch anders? Nach meinem gestrigen Bummel, hielt ich über dieses Ärgernis erst einmal die Füße still. Ich durfte erleben, dass es tatsächlich anders geht. Ich ließ meine Füße gerade wieder in die Stiefel gleiten, da überreichte Gerda (meine Fußpflegerin) mir ein kleines Cellophantütchen.  Der Inhalt war überschaubar.

Zwei Kekse in Form von Füßen.

Wahrscheinlich ein kerniger Nussteig. An den knusprigen Zehenspitzen zierten kleine Marzipanblättchen das mühevoll gestaltete Gebäck. An einer einfachen Juteschnur hing ein kleines Papp-Etikett, auf der in blauer Tinte (… und ich versichere, dass diese Tinte aus einem handgeführten Füllfederhalter und NICHT aus einer Druckerpatrone kam!) folgendes zu lesen war:

„Liebe Frau Freisinn,
frohe Weihnachten für Sie und ihre Familie.
Diese selbstgebackenen Kekse sind für Euch!
Liebe Grüße Ihre Gerda“

Meine Fußpflegerin hat mich an dieser Stelle gerührt und berührt. Ein individuelles, personalisiertes Geschenk. Ich fühle mich ernsthaft und ehrlich wahrgenommen. Ist das beispielhaft? Würde sich diese Idee von Gerda auch in anderen Bereichen lohnen? Ich glaube es würde sich mehr als lohnen. Eine Aufmerksamkeit, die jede Kunden- oder Geschäftsbeziehung nachhaltig stärken könnte.

Es tut uns leid, es sind keine Beiträge vorhanden.

Diese kleine Geste verkörpert was es wirklich bedeutet, zu schenken. Klein steht hier nicht als Synonym für gering, denn ich stelle mir vor wie Gerda mehrere Abende in der Küche sitzt, backt, dekoriert, schreibt und verpackt. In einer Zeit, in der Zeit kaum noch zu finden ist, die Schnelllebigkeit den Altersprozess von uns allen auf die Überholspur drängt. Was für eine enorme Wertschätzung wurde mir hier aufrichtig entgegengebracht! Mir wurde klar, dass mit Liebe nicht nur Geschäft gemacht wird, sondern dass es auch Geschäfte gibt, die etwas mit Liebe machen. Und ist das nicht eigentlich die Quintessenz von Weihnachten? Etwas, worauf wir uns besinnen sollten?

Ich spaziere heim. Ein Hauch von Liebe und Schnee liegt in der Luft.
Frohe Weihnachten!

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