Veröffentlicht in Herzklopfen

Eine Zeitreise mit Bernd Glodek

Alter Wall 38 – hier steht der Handelskammer City Campus (HCC) auf Grund und Boden, für den viele Jahre die Adresse Adolphsbrücke 3 galt. Die Adolphsbrücke selbst erhielt ihren Namen wegen der Nähe zum Adolphsplatz und wurde 1844/45 erbaut. Ein Blick von Bernd Glodek in die Historie dieses Grundstücks eröffnet uns interessante Erkenntnisse. Lesen Sie selbst.

Bernd Glodek (Ehren-Geschäftsführer der HKBiS)

Zwischen den Kriegen

Das Hamburger Adressbuch aus den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen verzeichnet  für die Straße Alter Wall wasserseitig zum Alsterfleet und für die Adolphsbrücke eine dichte und hohe Bebauung mit Wohnungen und Geschäftsräumen. Für die Adressen Adolphsbrücke 3 und 5 sind 1938 allein 8 Einträge zu verzeichnen, darunter eine Buchhandlung.

Mit Beginn des 2. Weltkriegs und den späteren Zerstörungen durch Bombenangriffe wurden die Einträge in den Adressbüchern spärlicher, da Senat und Gauleitung die Bevölkerung nicht ausführlich über die entstandenen Zerstörungen informieren wollten – so auch für den gesamten Innenstadtbereich. Die gesamte vom Rathausmarkt aus rechte Seite des Alten Wall ab Adolphsbrücke wurde bis auf das heute noch bestehende Eckhaus Alter Wall 34 völlig zerstört. Dort befindet sich heute im Erdgeschoss ein Back-Shop.

Erste Geschäftsstelle des Hamburger Abendblattes

Erst in der Nachkriegszeit geben die jährlichen Hamburger Adressbücher wieder genauere Auskunft über die Bebauung „unseres“ Grundstücks. 1948 eröffnete hier in einem spärlichen Holzbau die erste Geschäftsstelle des Hamburger Abendblattes. Dort konnten Interessierte ein in mehreren Glaskästen ausgehängtes Exemplar des Abendblattes lesen, eine Zeitung kaufen oder eine Anzeige aufgeben. So schreibt das Abendblatt in einer Sonderbeilage zu 60 Jahre Abendblatt: „Nach den Verkäufern vom Jungfernstieg holen Expressradfahrer dicke Zeitungspakete bei der Geschäftsstelle, einer Holzbaracke an der Adolphsbrücke, ab und verkaufen sie an Kioske und Zeitungsläden. Drei-, viermal nacheinander, gegen Bargeld, für Provision“. Gut ein Jahr später zog die Geschäftsstelle zum Gänsemarkt.

Hamburger Abendblatt Geschäftsstelle 1948; Copyright: Axel Springer Syndication

Erste Geschäftsstelle des Hamburger Abendblattes © Foto: Axel Springer Syndication

Die Holzbaracke aber blieb. Nur im Hamburger Adressbuch 1949 wechselte die Schreibweise kurioserweise in Adolfsplatz und Adolfsbrücke. In den Jahren 1950 bis 1952 ist unter der Adresse Adolphsbrücke 3 eine Tabakwarenhandlung und ab 1952 zusätzlich eine Gaststätte eingetragen. Diese wurde geführt von Hildegard Pullerdt und ab 1953 von Adalbert Hübner. Er wohnte dort aber nicht, sondern auf St. Pauli in der Bernhard-Nocht-Str. 73. Die Gaststätte florierte aber außerordentlich, denn Hübner bot für die ständig größer werdende Zahl der Angestellten in den Büros Mittagstisch an. Er gab der Gaststätte den Namen „Dortmunder Stube“, denn er schenkte Dortmunder Union-Bier aus.

An dieser Stelle erinnert sich der Verfasser an seine Ausbildungszeit ab 1967 in der Handelskammer Hamburg. Alle Mitarbeiter der Handelskammer erhielten nämlich Essenmarken im Wert von 1,50 DM je Arbeitstag. Jeder Mitarbeiter erhielt sie wöchentlich an der Kasse der Kammer. Und diese konnten eingelöst werden in der Kantine des Hamburger Rathauses – oder eben in der „Dortmunder Stube“. Nicht ganz im Sinne des Arbeitgebers war sicher, dass man bei einem teureren Essen auch mehrere Essenmarken auf einmal ausgeben konnte, aber es funktionierte. Und dem Besitzer der Gaststätte war es eben auch Recht.

Vom Postscheckamt zum City Campus

Mitte der 80er Jahre wurde die Restaurantbaracke abgerissen und auf dem Grundstück baute das Postscheckamt ein 6stöckiges Gebäude – den heutigen Handelskammer City Campus. Denn 1995 zog das Postscheckamt in einen Neubau in der City Nord und das Haus stand einige Jahre leer.

Mit der Gründung der HKBiS 1999 und ihrem zügigen Wachstum wurde es dringend notwendig ein eigenes Gebäude zu beziehen. Eine nicht geringe Zahl von möglichen Standorten wurde geprüft, aber kein Gebäude war so ideal geeignet wie der heutige Handelskammer City Campus in unmittelbarer Nähe zur Handelskammer am Adolphsplatz. 1999 zogen die ersten Mitarbeiter zunächst auf nur drei Etagen ein und wegen des größer werdenden Bedarfs dann auf allen Etagen des Hauses.

Eröffnung des Handelskammer City Campus am 4. November 1999; v.l.n.r. Dr. Uwe Jönck, Bernd Glodek, Margret Sitzler, Präses Nikolaus W. Schües, Professor Hans-Jörg Schmidt-Trenz; © Foto: Wallocha

Weiterbildung für Hamburg

So schließt sich der Kreis. Auf einem Grundstück in der Hamburger Innenstadt, das allein in den letzten 80 Jahren eine ganze Reihe von zum Teil tragischen, zum Teil aber auch interessanten  Veränderungen erlebt hat, hat die HKBiS heute ihr Zuhause und bietet hier äußerst erfolgreich für Unternehmen und ihren Mitarbeitern berufliche „Weiterbildung für Hamburg“ an.

... weiterreisen bis ins Jahr 1665

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