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Im Gespräch mit Frank Thelen

Frank Thelen (41), CEO der Gesellschaft e42, hat in seiner Karriere zahlreiche Firmen gegründet, sich an verschiedenen Startups beteiligt und wurde einem Millionenpublikum als Juror und Investor des TV-Erfolgsformats „Höhle der Löwen“ bekannt.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Startup-Szene in Hamburg?

Ich glaube, Hamburg ist gut aufgestellt und wird neben München der zweitgrößte Startup-Hub Deutschlands bleiben, allerdings als Satellit von Berlin. Der große Vorteil ist – im Gegensatz zu Köln oder Bonn, wo ich her komme –, dass Hamburg gut an die Hauptstadt angebunden ist und man schnell mit dem Zug hinkommt. Es entwickelt sich sehr positiv, wir haben hier viele kreative Gründer. Aber das Zentrum bleibt Berlin, was auch den anderen Hubs helfen wird. Denn wir brauchen ein Zentrum, damit die Satelliten sich entwickeln können.

Was ist für Gründer in Hamburg anders als in anderen Städten?

Ich glaube, Hamburg vermittelt ein anderes Lebensgefühl. Hamburg ist halt etwas Besonderes: die Weltoffenheit, das Flair, die kulturellen Angebote, der Style – eine eigene Lebensart. Ich denke, Menschen suchen sich eine Stadt mit Seele, Herz und Leben. Das findet man auf jeden Fall in Hamburg.

Was können Jung und Alt voneinander lernen?

Sehr viel. Große Unternehmen brauchen Prozesse, die Agilität fördern und ihnen dabei helfen, schnell auf Veränderungen reagieren zu können. Sie müssen sich durch die rasante Entwicklung der Technologie eigentlich alle drei bis fünf Jahre neu erfinden. Das können sie von den Kleinen lernen: das eigene Geschäftsmodell immer wieder neu zu hinterfragen. Und zwar danach, ob das, was vor einem halben Jahr der Plan war, noch funktioniert oder angepasst werden muss, weil sich der Markt oder die Kunden verändert haben.

Umgekehrt haben, aus Sicht der Kleinen, die großen Unternehmen ein funktionierendes Businessmodell, viele Mitarbeiter und Strukturen, die sie selbst aufgebaut haben. Diese haben dafür gesorgt, dass das ‚Business‘ so stark wachsen konnte. Davon können die Start-ups viel lernen: Wie baue ich ein Produkt, was echte Kunden und echte Umsätze hat, und wie baue ich Prozesse.

Außerdem ist es wichtig, dass beide Seiten nicht arrogant sind. Oft höre ich noch: Die Etablierten können gar nichts oder die Startups haben nichts drauf. Beide Seiten sollten offen aufeinander zugehen.

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Was kann Hamburg auf diesem Feld noch besser machen?

In Berlin gibt es die ‚Factory‘, eine Art Startup-Campus. Kleine Startups sitzen hier zusammen mit großen Hightech-Unternehmen wie Twitter, Lufthansa, Daimler oder Google. So kommen beiden Welten sehr effizient zusammen. Ein Startup-Hub wie die Factory in Berlin wäre auch in Hamburg sinnvoll.

Aber auch Hamburg hat solche „Coworking-Angebote“ wie das Betahaus oder Mindspace...

Ja, aber die geballte Kraft erreicht man erst ab einer gewissen Skalierung, weil man dann 30 Startups und zehn große ‚Corporates‘ hat. Dann kann man Events vor Ort durchführen und auch Politiker kommen vorbei. Das ist etwas, was gut funktioniert. Und noch eins in diesem Zusammenhang: Der ‚High-Tech Gründerfonds‘ ist zwar eine deutschlandweite Initiative. Es macht aber Sinn, so etwas auch auf lokaler Ebene umzusetzen.

Was müsste aus Ihrer Sicht passieren, damit der Gründungsstandort Deutschland wieder wächst?

Es ist ein sehr schmerzhafter Prozess, eine Gesellschaft – zum Beispiel eine GmbH – aufzubauen, da es viel Stammkapital kostet. Zudem wird jedes Jahr wieder neu diskutiert, ob Steuervergünstigungen für Holding-Gesellschaften, die ihre Erlöse beim Verkauf von Anteilen direkt in neue Firmen investieren, beschränkt werden. Das wäre sehr schlecht, denn damit würde sich die Steuerlast von Business Angels deutlich verändern und Business Angel-Investments würden unattraktiv. Auch die bürokratischen Hürden müssten deutlich reduziert werden. Die Vorgaben sind sehr komplex. Vieles ist überreguliert. Hier müssen deutliche Vereinfachungen gerade für Gründer her.

© Foto: Frank Thelen e42; Interview: Newsletter Handelskammer Hamburg

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