Veröffentlicht in Herzklopfen

„Nimm Dir die Freiheit nach dem Sinn zu fragen,
denn Neugier ist ein Muskel, den du täglich trainieren solltest.“

Emotionaler Countdown

Ich stehe im Getümmel der Innenstadt und halte für einen Moment die Luft an. An mir rauschen die Menschen vorbei, wie wilde Stromschnellen. Ein reißender Fluss aus müden und abgehetzten Augen. Vor den Feiertagen ist nach den Feiertagen, denn wo man meint wir hätten gerade das Fest der Liebe hinter uns und uns in besinnliche Stimmung gebracht, rennt nun alles weiter. Ist das eigentlich ein Großstadtphänomen oder Zeitgeist? Die Frage lasse ich einfach mal so stehen, habt ihr Antwort für mich?

Auf welche Party gehe ich bloß?

Tüten mit Umtauschmaterial in der einen Hand, das Handy mit elektronischen Einladungsaufforderungen zu Silvester, in der anderen Hand. Im Kopf tummeln sich unordentliche Fragen. Jene harmlosen wie „Auf welche Party gehe ich bloß?“  bis hin zu diesen:

„Welchen Vorsatz habe ich für das neue Jahr?“.

Diese traditionelle Verpflichtung bringt uns sehr oft an eine emotionale Schmerzgrenze. Denn mit den Vorsätzen wächst auch der Druck. Wir wollen nächstes Jahr etwas besser machen als letztes. Wir wollen abschließen, abhaken und wir wollen alles auf „neu“ stellen. Nur um festzustellen, dass es im Grunde genauso weiter geht.

Sobald in den ersten Januar Wochen auch nur eine Kleinigkeit nicht rund läuft, verteufeln wir den Beginn des neuen Jahres und hören uns selbst Dinge sagen wie:

„Dieses Jahr geht genauso beschissen weiter, wie das letzte Jahr aufgehört hat.“

Wir schauen frustriert auf die Vergangenheit und gönnen uns zu wenig Zeit zu reflektieren was gut gelaufen ist. Was war geil im letzten Jahr und darf genauso bleiben? Was für Möglichkeiten stehen mir, nach wie vor, offen und welche kann ich mir zusätzlich schaffen?

Was für eine Überraschung, schön dich zu sehen!

Ich werde auf einmal aus meinen Gedanken und wieder mitten auf die Spitalerstraße gerissen. Das bekannte Gesicht von Sabrina blickt in meins: „Was für eine Überraschung, schön dich zu sehen“, strahle ich sie an „Wie geht’s dir?“, frage ich weiter. „Gut, gut,“ antwortet Sie, mit etwas weniger Enthusiasmus „Etwas viel Stress zur Zeit, aber nächstes Jahr wird alles besser!“ Sabrina ist Unternehmerin, sie erzählt mir, dass das letzte Jahr sehr schwierig gelaufen ist (eigentlich erzählt sie mir das seit genau vier Jahren. Und zwar IMMER, wenn wir uns begegnen) Es gab interne Probleme und die Kundenzufriedenheit ließ stark nach. Das Beziehungsmanagement lief holperig, das schlechte Arbeitsklima war leider nicht mehr mit einem Lächeln zu verschleiern. Sie, als Führungskraft, wolle sich aber neue Ziele setzen. Sie wolle das nächste Jahr in Zahlen fixieren, um es auf die Mitarbeiter runter zu brechen. Sie wolle ihr Unternehmen etwas besser kontrollierbar machen.

Entspannen wir uns!

Zwischen Wollen und Tun liegen sehr oft viele Lichtjahre, die es zu überwinden gilt. Ich stelle fest, dass es kaum Unterschiede, zwischen persönlicher und geschäftlicher Zielsetzung gibt. Die Formulierung ist für unseren Kopf sehr wichtig, damit dieser und Andere uns ernst nehmen. Die Gefahr könnte groß sein, sich nach einem Reinrutschen zu verrutschen oder an etwas vorbei zu rutschen. Die Kunst könnte darin bestehen, sich erreichbare Ziele zu setzen. Kein Gipfel der Welt wurde in einem Rutsch bestiegen. Warum nicht auch in anderen Dingen uns Etappenziele setzen? Entspannen wir uns!

Sollten wir uns nicht lieber realistische Ziele vornehmen? Und die bitte in gesunder Dosis verteilt, auf die nächsten 365 Tage. Ich muss weiter. Halt: „Ich will weiter!“, also gehe ich weiter. Ich freue mich auf Raclette, Bleigießen, Diskussionen über Brot statt Böller, die besten Diättips, Tischfeuerwerk, Feuerzangenbowle, Zeit totschlagen. Lärm und Jubel, lustige Gesellschaft, Raketen und wilde Hummeln. Das alles für einen emotionalen zehn Sekunden Countdown.

Einen grandiosen Start, in ein fantastisches neues Jahr!

Sie haben Fragen, Lob oder Kritik?

Kostenloser Rückruf Nachricht senden Lob & Kritik