24.09.2015, Andrea Heinzberger, Kategorie: Karriere im Beruf

Akademiker, so heißt es, hätten bessere Karriereperspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten. Dabei wird häufig übersehen, welche beruflichen Chancen mit einer dualen Ausbildung und Aufstiegsfortbildung verbunden sind.

Eric Schweitzer – Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) – ist ein Mann, der an Kraftanstrengungen glaubt – und dies unabhängig von Alter, Geschlecht und Zukunft.

 

„Die berufliche Aus- und Weiterbildung bietet sehr gute Perspektiven, die mit denen von Hochschulabsolventen durchaus Schritt halten können. Wer am Ball bleibt, hat gute Chancen, auf der Karriereleiter kontinuierlich nach oben zu klettern.“

Eric Schweitzer – DIHK

Viele Hochschulen in Deutschland platzen angesichts der aktuellen Studierendenzahlen aus allen Nähten. Mit weit über 500 000 Erstsemestern gibt es derzeit fast so viele Studierende wie Auszubildende. Zugleich klagt man in vielen Branchen und Berufen über nicht besetzte Ausbildungsplätze. Das jahrelang bedarfsgerechte Verhältnis von beruflich qualifizierten Fachkräften auf der einen und Akademikern auf der anderen Seite ist dadurch zunehmend gefährdet. „Alle Verantwortlichen sind deshalb aufgefordert, berufliche Bildung noch stärker als attraktiven Weg zu bewerben und auf die Chancen, die dieser Werdegang bietet, aufmerksam zu machen“, sagt Schweitzer. Arbeitnehmer und beruflich qualifizierte Fachkräfte sollten mutig sein und in Weiterbildung sowie das eigene berufliche Fortkommen investieren.

Chancen für die Absolventen der IHK-Fortbildungen

Rund 50 000 Menschen absolvierten jährlich bei den Industrie- und Handelskammern (IHK) eine sogenannte Prüfung der Aufstiegsfortbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Sie lassen sich zum Beispiel zum Industriemeister, Fach-oder Betriebswirt fortbilden. Sie demonstrieren durch ihre Weiterbildung, dass sie bereit sind, Initiative zu ergreifen und Verantwortung zu übernehmen. Wer sich berufsbegleitend, teilweise über Jahre abends und am Wochenende weiterbildet, zeig Ehrgeiz, Leistungsbereitschaft und Zielstrebigkeit – also Eigenschaften, die von Unternehmen neben fachlichen Kenntnissen und Fertigkeiten geschätzt und gesucht werden.

„Wer als beruflich qualifizierte Fachkraft in die eigene Weiterbildung investiert kann mit Einkommenszuwächsen rechnen“,

sagt Schweitzer. Er bleibe zudem aus Sicht der Unternehmen eine attraktive und nachgefragte Fachkraft. Schaut man auf den aktuellen Akademisierungstrend und die hohen Studienabbrecherquoten sei dies ein wichtiges Signal an Schulabgänger, die vor der Entscheidung Ausbildung oder Studium stehen.

Wie sehen es die Unternehmen?

Unternehmen erkennen die Anstrengungen der Mitarbeiter und den Wert der Abschlüsse an. Und zwar häufig schon vor dem Bestehen der Prüfung. Sie fördern die Weiterbildung finanziell, durch Freistellung oder Verkürzung der Arbeitszeit oder durch die Aussicht auf eine bessere Position und ein höheres Gehalt. Damit wird die Aufstiegsfortbildung für Unternehmen und Arbeitnehmer zu einer lohnenden und ertragsstarken Investition – zu einer Win-Win-Situation für beide Parteien. Neben dem persönlichen Zugewinn wird den Mitarbeitern meist mehr Verantwortung übertragen. Auch ergeben sich ganz neue Aufgabengebiete. Die Unternehmen punkten als Arbeitgeber und binden langfristig Potenziale an sich. Wenn ein Unternehmen diese nachhaltigen Vorteile von Weiterbildungsmaßnahmen im Blick behält, kann es für sie leichter sein dem Fachkräftemangel zu trotzen.

Im Jahr 2013 ist der Deutsche Qualifizierungsrahmen (DQR) in Kraft getreten. Mit dessen Hilfe will man die Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen auf nationaler und europäischer Ebene verbessern und die Mobilität von Lernenden und Arbeitnehmern fördern. Für Absolventen der beruflichen Bildung heißt dies: Fortbildungsabschlüsse wie Fachwirt und Meister stehen auf der gleichen Stufe wie der Bachelorabschluss der Hochschulen. Jährlich über 1 000 Absolventen bei der Handelskammer Hamburg zeigen, wie wichtig die berufliche IHK-Fortbildung ist.

„Besonders der Mittelstand schätzt unsere Fachwirte und Meister“, sagt Holger Höhr, Geschäftsführer unserer HKBiS. Er betont: „Der Deutsche Qualifizierungsrahmen sagt nun amtlich, was wir schon immer gewusst haben: Berufliche und akademische Bildung sind zwar nicht gleichartig, nun sind sie aber gleichwertig.“