Veröffentlicht in Herzklopfen

„Nimm Dir die Freiheit nach dem Sinn zu fragen,
denn Neugier ist ein Muskel, den du täglich trainieren solltest.“

Es ist Sonntagmorgen ...

… und mein Kühlschrank gähnt mir kalte Leere entgegen. Also, rein in die Klamotte und auf zur Frühstückskette. In dem Laden, an den einem lustige, rosa Illustrationen von Schlachttieren entgegen grinsen, bekomme ich sicher das knurrende Wesen in mir noch leise gestellt. Mich empfängt eine aufgedonnerte Bedienung. Ersetzen wir das Wort „empfangen“ doch lieber mit einem trägen und schweren Seufzen, als sie mich sieht. Ihr Make up schreit, ihre Stimme ist kräftig. Ihre Kellnerschürze hängt unterhalb der Hüftknochen, an denen bei jedem Schritt provokativ ihr Trinkgeldbeutel scheppert.

An meinem Tisch angekommen,

… hat sie für Blickkontakt nichts übrig, ist für keinen Scherz offen, will nur wissen was ich essen will und trägt es widerwillig in ihren digitalen Bestellblock.

„Ob ich statt einem gekochten Ei bitte ein Rührei bekommen könnte?“

„Kostet extra“, ist ihre Antwort. „Das war nicht die Frage“, lächle ich zurück. Sie zeigt mir schmatzend ihr gekautes Kaugummi und guckt mich zum ersten Mal richtig an. Ihre zuviel getuschten Wimpern haben Mühe mit der Gravitation. Sie kritzelt irgendwas aufs Display.

„Sonst noch was?“

„Nein“, antworte ich, eigentlich bin ich bereits satt, denke ich. Sie schwingt meine Bestellung und ihre Lustlosigkeit träge zurück in die Küche.

Tja ...

Ob sie sich jemals selbst die Frage gestellt hat, ob das was sie tut, das ist was sie will? Wie war das mit ihrer Motivation, bevor sie den Kunden ein schlechtes Gewissen gemacht hat, weil die nach der Speisekarte verlangten? Hat diese Angestellte überhaupt jemals vermittelt bekommen was Dienstleistung bedeutet? Was ist hier passiert? Wenn ich die Szene betrachte, kommt mir die Bedienung vor, wie ein Tier kurz vor der Schlachtung. Kein Aufbäumen mehr nötig. Da steckt nur noch Abfinden hinter. Ein klarer Fall von Käfighaltung in der Gastro!

Und nun?

Was kann ich tun, um das Gefühl, der unerwünschte Gast in einer Gastwirtschaft zu sein, los zu werden und andere Gäste nachhaltig davor zu schützen? Würde sich das Trinkgeldverhalten langfristig ändern? Ich werde ihr jedenfalls etwas liegen lassen, als Entschuldigung für den Umstand, den ich ihr gemacht habe. Oder unterstütze ich damit die schlechten Bedienungen… ähm Bedingungen?

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