17.09.2018, Gastautor, Kategorie: Digital Voraus

© Christian Kaiser

Hallo Herr Kaiser,

… muss ich mich wirklich auf eine digitale Veränderung am Arbeitsplatz einstellen?  Was glauben Sie haben Pizza und eine Enzyklopädie gemeinsam? Viele Mitarbeiter und Chefs von Unternehmen warten augenscheinlich noch auf die Digitalisierung!?

Vielleicht erinnert sich noch der Ein oder die Andere an den Film Minority Report, mit Tom Cruise in der Hauptrolle? Unter der Regie von Steven Spielberg wischte Tom Cruise mit der Hand über Bildschirme, um Daten zu sichern, zu sortieren oder einfach nur anzusehen. Wissen Sie noch aus welchem Jahr der Film war? Richtig, aus dem Jahr 2002. Ich kann mich noch gut an die damalige Diskussion erinnern: „Das Dauert noch 30-50 Jahre, bis wir mit der Technik so weit sein werden.“  Wissen Sie auch noch, wann das erste iPhone eingeführt wurde? Mitte 2007! Nur 5 Jahre später.

Auf die Digitalisierung warten?

Sich zurücklehnen und sehen was passiert?  Die Digitalisierung ist kein Prozess, der an irgendeinem Punkt abgeschlossen sein wird. Sie ist fortlaufend und befindet sich in einem stetigen Wandel.  Schauen wir einfach mal rüber nach Altenwerder, in unseren schönen Hamburger Hafen, wo die Entladung der Containergiganten überwiegend mit Computern oder Maschinen gesteuert werden. Oder die Kölner S-Bahnen, in denen in den Führerhäusern das Personal nur noch für ein gutes Gefühl bei den Fahrgästen sorgt und ansonsten nur den automatischen Betrieb überwacht. Auch in der Automobilindustrie, wird sich mehr und mehr mit dem autonomen Fahren auseinandergesetzt.  Was wir in Deutschland bei der Digitalisierung verstehen sollten ist, dass es um weit mehr geht, als nur mechanische Abläufe zu verbessern.  KAIZEN oder KVP sind heutzutage nur noch ein Baustein im großen Ganzen. Wir werden uns viel umfangreichere Gedanken machen müssen, wie unsere Arbeits- und Bürowelt in der nahen Zukunft aussehen wird. Weit über die eigenen Branchen und derzeitigen Möglichkeiten hinaus.

Lassen Sie mich das an zwei Beispielen einmal verdeutlichen:

Als erstes Beispiel, möchte ich eine sehr bildhafte Darstellung von meinem Keynote-Speaker-Kollegen aus Süddeutschland anbringen. Er macht in einigen seiner Vorträge die veränderten Prozesse in Produktionsbereichen, anhand der Zubereitung von Pizzen, sehr deutlich. Das fertige Produkt einer herkömmlichen Pizza aus der Tiefkühltruhe, haben Sie sicher vor Augen. Anfänglich war ein Koch nötig, um eine Pizza zusammenzustellen. Mit der Zeit wurden die einzelnen Bereiche aufgebrochen und konfektioniert. Eine Person war für die Zutaten vom Teig verantwortlich, eine belegte den Pizzaboden mit Salami, eine mit Käse, eine mit Oliven und zum Schluss zog eine letzte Person an einem Hebel und die fertige Soße floss auf den fertigen Pizzaboden. Soweit die Darstellung meines sehr geschätzten Kollegen. Über die Reihenfolge lässt sich jetzt diskutieren, sei aber mal dahingestellt. Hintergrund für diese Metapher ist folgender: Keiner der Personen könnte als Koch bestehen. Keinem dieser Personen, sind die Zusammenhänge von Zusammenstellung und Geschmack klar. All diese einzelnen konfektionierten Schritte können ebenso maschinell ausgeführt werden. Möglicherweise sogar mit einer echten Effizienzerhöhung. Vielleicht denken Sie einmal darüber nach, wo bei Ihnen im Unternehmen auch bereits solchen konfektionierten Verfahren bestehen. Wichtig ist allerdings an dieser Stelle noch der Hinweis, dass Sie dringend „Köche“ benötigen. Fachkräfte oder Spezialisten welche die Gesamtheit und Komplexität Ihrer Firmenabläufe verstehen und anwenden können, damit sich Ihr Unternehmen jederzeit weiterentwickeln kann und für den Zukunftsmarkt gewappnet ist.

Weiterbildungsangebot Digital Business

Inzwischen merken Unternehmen, dass sie zügig reagieren müssen, um mittel- bis langfristig nicht von jungen aufstrebenden Start-Ups in ihrer Marktposition gefährdet zu werden. Unser Angebot vermittelt speziell Know-how zur digitalen Transformation von Unternehmen, um auch den künftigen Anforderungen an digitalisierte Produkt- und Dienstleistungsmärkte gerecht zu werden.

zum Kursangebot

Beispiel Nummer Zwei:

Können Sie sich noch an den weltweit größten Hersteller einer Enzyklopädie in mehreren Buch-Bänden erinnern? Das Vorgänger-Lexikon dieser Enzyklopädie erschien bereits im Jahr 1808. Jeder der/die etwas auf sich hielt, hatte dieses Nachschlagewerk bei sich im Bücherregal. Welche Wissensdatenbank benutzen Sie heute, wenn Sie einen Begriff nachlesen möchten? Greifen Sie wirklich noch hinter sich ins Regal? Die Meisten von uns würden wohl den Rechner hochfahren und das Internet starten. Das interessante an dieser Geschichte ist, dass die Idee zu einem gemeinnützigen Projekt (Wissensdatenbank) dem Wissens-Verlag vor knapp 20 Jahren präsentiert und damals als Spinnerei vom Verlag abgetan wurde. Am 11. Juni 2013 wurde bekannt, dass man den Verlag schließen wird und die gedruckte Enzyklopädie sollte zunächst nur noch als Onlineausgabe erscheinen. Der zuletzt als Herausgeber tätige Wissens-Verlag stellte das Buchhandelsgeschäft mit der Marke zum 1. Februar 2014 ein und bereits am 30. Juni 2014 wurde der Vertrieb des Druckwerkes begraben. 4 Jahre vor dem 200. Jubiläum.

Heute kennt die jüngere Generation nur noch die gemeinnützige Internet-Enzyklopädie (Wissensdatenbank). Wenn Sie sich das nicht vorstellen können, dann machen Sie einfach mal ein Experiment mit Ihrem Nachwuchs. Fragen Sie einmal Ihre Auszubildenden, wie der Name des Buchbandes heißt. Das Ergebnis könnte Sie überraschen. Fast 200 Jahre lang unangefochten an der Spitze der gedruckten Wissenswerke und dann innerhalb weniger Jahre verstorben und vergessen.

Die gemeinsamen Beispiele der Pizza und der Enzyklopädie zeigen Ihnen auf beeindruckende Weise, was „Digitalisierung“ bewirken kann. Sie zeigen Ihnen auch, dass Digitalisierung weit mehr ist als eine Prozessveränderung. Digitalisierung ist vielmehr eine Transformation, hin zu der Wunscherfüllung vollkommene, veränderte und übergreifende Vorgehensweisen zu schaffen, ohne dabei Gefahr zu laufen sich selbst abzuschaffen.

Brauchen Sie also wirklich k-eine digitale Veränderung an den Arbeitsplätzen und Abläufen in Ihrem Unternehmen? Sie könnten bei dem Transfer in die Zukunft, auch Ihre Mitarbeiter integrieren. Fragen Sie diese, was sie denken, ändern würden oder wie diese sich die Zukunft im Büro vorstellen. Wichtig ist, dass Sie sich mit dem Thema befassen und es offen angehen. Oft ist es sehr hilfreich sich von außen Unterstützung zu holen. Außenstehende sehen Abläufe und Begebenheiten aus einem anderen Blickwinkel und können äußerst inspirierend für Sie und Ihr Unternehmen sein. Die digitale Transformation ist bereits da, allgegenwärtig und noch lange nicht abgeschlossen.

The Future of Jobs Report 2018

Die Fortbildung der Mitarbeiter gehöre zu den Hauptaufgaben der Unternehmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Schon 2025 werden Maschinen laut einer Studie des World Economic Forum (WEF) mehr Arbeitsstunden leisten als Menschen. Die vierte industrielle Revolution steht in Wechselwirkung mit anderen sozioökonomischen und demografischen Faktoren, um in allen Branchen einen perfekten Sturm des Geschäftsmodellwechsels zu schaffen, der zu großen Störungen der Arbeitsmärkte führt. Es werden neue Kategorien von Arbeitsplätzen entstehen, die andere ganz oder teilweise verdrängen. Die Fähigkeiten, die sowohl in alten als auch in neuen Berufen benötigt werden, wollen in den meisten Branchen verändert werden und transformieren, wie und wo Menschen arbeiten. Es kann sich auch auf die Dynamik der geschlechtsspezifischen Unterschiede auswirken.

Download auf weforum.org

Sie haben Fragen, Lob oder Kritik?

Kostenloser Rückruf Nachricht senden Lob & Kritik