Posted by on 26.01.2018 in Herzklopfen

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„Nimm Dir die Freiheit nach dem Sinn zu fragen, denn Neugier ist ein Muskel, den du täglich trainieren solltest.“

Fabelhaft!

… schreit mein Hirn, als ich rein zufällig vor dem streifenfrei geputzten Fenstern des Schuhgeschäftes stehe. Warum das neue Jahr nicht direkt mit ein paar neuen Schuhen beginnen? Nicht irgendwelche, sondern „DIE“ Schuhe. Sie glänzen im tollen jadegrünem Lack, haben einen Pfennigabsatz, der sich mindestens fünfzehn Kilometer gen Himmel streckt und haben einen utopischen Verkaufspreis. Ich weiß jetzt schon, dass er sich allerhöchstens für eine Stehparty eignet. Vorausgesetzt meine Begleitung trägt mich hin und zurück. Zudem ist fraglich, ob sich für mich jemals so ein Anlass ereignen wird, in dem ich auf meine tragbaren Schuhe verzichte und mich in so einen zarten Märchen High Heel stellen würde. Es wäre jedenfalls ein guter Grund mir ein passendes Kleid zu kaufen.

Was für ein Quatsch!

… brüllt mir irgendetwas im Kopf entgegen „die bleiben eh nur im Schrank stehen, zum Angucken zu teuer!“ Ich möchte dieser Stimme gerne etwas wie „zum Tragen zu teuer, aber haben!“, entgegen setzen. Aber ich beschließe aus dem Sichtfeld der Schuhe zu verschwinden, um meinen eigentlichen Weg zur Bahn fortzusetzen. Ich schaffe genau zehn Schritte, dann trete ich die Stimme aus meinem Kopf, mache kehrt und sage mir: „Ich kann sie ja wenigstens mal anprobieren!“. Die Atmosphäre im Laden ist angenehm. Seichte Musik aus den Lautsprechern, weicher, frisch gesaugter Teppichboden. Alles riecht nach Neu. Das gut gelaunte Verkäufergesicht eines Angestellten kommt mir entgegen geschnellt. Das Interesse meinerseits, für den Schuh im Schaufenster, legt seine weiß strahlende Zahnreihe frei. Die eigene Begeisterung für den Schuh haut mich aus den alten Latschen und hinein in kleine Probiersöckchen.

Er passt wie angegossen. Der extravagante, ultimative High Heel. Geschaffen für Momente, die ich womöglich nie erlebe. Drauf geschissen. In meinem Kopf schweigt, wahrscheinlich etwas beleidigt über mein Widersetzten, die Stimme der Vernunft und in der Kasse klingelt mein Gehalt der letzten drei Monate. Ich habe sie tatsächlich gekauft! Neben dem sofortigem Glücksgefühl, welches mir die wunderbare Eigenschaft von Dopamin in den Bauch schüttet, ist es auch ein erleichterndes Gefühl sich entschieden zu haben.

Lass uns raus finden wo der Schuh drückt!

Dieser Schuhkauf ist nun vielleicht ein sehr plattes Beispiel dafür, Entscheidungen zu treffen, denn wesentlich schlimmer ging es meinem Freund Holger. Er saß mir gestern in unserer Stammkneipe wie ein Häufchen Elend gegenüber und nippte bedröppelt an seinem Bier. „Ach, ich weiß es doch auch nicht genau“, war seine Antwort auf meine Frage, was denn los sei. „Meine Frau und die Kinder kritisieren auch bereits an meiner Laune herum.“ „Na los Holger“, forderte ich „Lass uns raus finden, wo der Schuh drückt!“

Es dauerte eine ganze Weile und ein paar Herrengedecke mehr, bis er mit der Sprache und eigener Erkenntnis heraus kam. „Mein Job nervt mich tierisch. Nicht, dass es besonders anstrengend ist, ganz im Gegenteil. Es ist alles wunderbar zu schaffen. Mit links mach ich die Arbeit und mit rechts habe ich sogar noch Zeit mir die …Ohren zu kraulen. “Ich grinste Holger an. „Was lachst du denn so doof?“ war seine Antwort. Ich kippte den letzten Schnaps für heute und spülte mit dem kalten Bier nach. Dann klopfte ich meinem guten Freund auf die Schulter und legte mein ganzes neuronales und motivierendes Wissen auf den Tresen.

„An deiner Situation bist alleine du Schuld!“

„Na super, danke für deine super Analyse.“ Holger verdrehte die Augen. „Ne,im Ernst. Und, ist das nicht die beste Nachricht überhaupt? Denn, wenn du selber Schuld bist, dann kannst auch du das ändern. Orientier dich doch mal um. Was hat dich denn an diesen Schreibtisch in dieses Büro gebracht? Sicher doch deine Vorstellung und dein Streben von damals. Vielleicht aber, hat sich das nun geändert. Vielleicht musst du dich nun mal selbst in deiner Bequemlichkeit stören und aufhören dir die Ohren zu kraulen. Wenn du aufhören würdest faule Kompromisse in deinem Job zu machen, sondern anfängst dich für andere, weiter bringende Dinge zu interessieren, dich damit befassen würdest, wo du hin willst…“. Ich bestellte doch noch einen Schnaps…

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„Alleine das Befassen mit Zielen“, ging mein Monolog weiter „bewirkt ein Umdenken und Umlenken deiner Handlungen und verändert somit die Richtung in die du gehst!“ „Aha“, kam von Holger „und wie soll ich das angehen?“ „Das ist ja gerade das Geniale“, führte ich begeistert fort „ Sobald du dich mit neuen Perspektiven befasst, kannst du rein gar nichts mehr dagegen tun, dass sich welche ergeben werden. Dein neuronales Nervengeflecht, ist nämlich so abenteuerlich, dass es sich mit deinen Zielen und Wünschen im Unterbewusstsein befasst und direkt neue Verknüpfungen schafft, um in deiner Großhirnrinde zu zelten. Jede Möglichkeit, die sich dir zukünftig bietet, wird es dir sofort zukommen lassen.“

In meiner Erinnerung hatte Holger kurz nach meinen Ausführungen schon einen etwas positiveren Gesichtsausdruck. Er erzählte auch etwas von Fortbildungsmöglichkeiten, Aufstiegschancen in der eigenen Firma und neuen Berufszweigen, die er eventuell einschlagen könnte. Diese Sachen sprudelten auf einmal so aus Holger raus und das nur, weil er sich zum ersten Mal richtig damit befasste. Zuvor hatten ihn negativen Schranken so blockiert, so viel Raum in seinem Kopf eingenommen, dass jeglicher Platz für Lösungen, bereits mit seiner Unzufriedenheit belegt war. Später wurden da auch Ideen draus, wie zum Beispiel einen eigenen Jazzclub aufzumachen. Wie auch immer, ein Hoch auf unbegrenzte Möglichkeiten!

Das mit den Nervenverbindungen ist übrigens ne echt praktische Sache. Das Filtern von Dingen, die ich brauche, passiert dank dieses feinen neuralen Netzes in meinem Hirn, tatsächlich von ganz allein. Ganz im Gegenteil zu neuen Schuhen, die standen noch nie einfach nur so „von ganz allein“ vor meiner Tür.

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